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Steve Hackett "Wolflight" - Album Review

Ich hätte es wissen müssen! Hier kommt nicht irgendein Prog-Rock-Album auf uns zu, nein - dieses Album möchte entdeckt werden und ist unmöglich in kurzer Zeit zu erfassen.

"Wolflight" erschien in Deutschland bereits am 30. März und ist damit also für jedermann verfügbar. Viele werden Steve Hackett als Gitarrist von Genesis und GTR kennen. Letztere entstanden aus dem Ehrgeiz, der damals sinkenden Popularität der Gitarre entgegenzuwirken. Steve Hackett arbeitete seinerzeit mit keinem Geringeren als Steve Howe zusammen, jener bekanntermaßen 10 Jahre bei den Prog Rockern Yes aktiv war. Was nur wenige wissen - aber dem ist eben so - Steve Hackett beeinflusste mit seiner Musik nicht nur Alex Lifeson (Rush), sogar Brian May von Queen wurde offensichtlich vom Schaffen des gebürtigen Londoners in den Bann gezogen. Langsam möchte ich ehrfürchtig mein Haupt senken.

Der Albumtitel "Wolflight" ist Umgangssprache und bezeichnet schlicht und ergreifend die Zeit kurz vor dem Sonnenaufgang. Eine gewisse Mystik ist dem Album damit von vornherein auferlegt. Ein Blick auf die Tracklist des Albums bestätigt meinen Eindruck.

01 Out Of The Body, 02 Wolflight, 03 Love Song To A Vampire, 04 The Wheel’s Turning, 05 Corycian Fire, 06 Earthshine, 07 Loving Sea, 08 Black Thunder, 09 Dust And Dreams, 10 Heart Song, 11 Pneuma und 12 Midnight Sun.

Ein Album-Review hat meiner Meinung nach zwei Aufgaben: Es sollte kurz informieren und eine tendenzielle Wertung offenbaren. Der informativen Part liegt bereits hinter uns, zumindest was die Hintergründe betrifft. Play! Unglaublich - ein absolut transparenter und wahnsinnig druckvoller Sound verkündet die Botschaft von einer grandiosen Produktion. Wenn doch bloß alle Alben mit diesem Sound ausgestattet wären. Eine bessere Voraussetzung für 'ne akustische Zeitreise durch ferne Welten kann es nicht geben. Und "Wolflight" ist eine verdammt lohnenswerte Zeitreise. Die Verwendung von Kopfhörern scheint wohl unabdingbar, um alle Details bis auf den letzten Ton einfangen zu können. Steve Hackett kombiniert auf fantastische Weise -  wie sollte es auch anders sein - Rock, Orchster-Arrangements, Bruchteile von Jazz-Elementen, Blues, asiatische Klänge und alle ihm zur Verfügung stehenden Soundeffekte. Es ist wesentlich leichter aufzuzählen, welche Stile und Elemnte Steve Hackett nicht verarbeitet hat als umgekehrt. Bei allem steht logischerweise das sechssaitige Instrument - des Meisters liebstes Kind - im Vordergrund.

Thematisch geht's ebenfalls durch die halbe Welt. Steve verarbeitet auf "Wolflight" hauptsächlich Eindrücke, die er im Laufe der Jahre an verschiedenen Orten unser Erde gesammelt hat. Dabei stehen seine Gefühle und Empfindungen, die durch das Erlebte hervorgerufen wurden, im Vordergrund. Ob mystische Orte in Griechenland, Naturerlebnisse in Mexiko oder Nordafrika, Hacket macht aus allem ein Klangerlebnis der Oberklasse. Fast am Anfang des Albums steht der Titeltrack (2). Hier betrat Steve Hacket mit seinem Werk das riesige Areal von der Mongolei bis hin zu den Karpaten in Rumänien, u. a. das Wirkungsfeld eines mächtigen Reitervolkes, das den Wolf verehrte. Den Wolf als Totem, mit unkonventioneller Lebensweise und eigenen Ansichten, hielten mongolische Reiternomaden von China bis Europa ganze Völker in Schach. Selbst das Römische Imperium blieb nicht verschont. Steve vertonte dieses Thema auf einzigartige Weise und erschuf einen übermächtigen Prog-Rocker, der facettenreicher nicht sein könnte. Doch dem nicht genug, denn auf dem Album gibt es Songs, die dem Titeltrack ebenbürtig - wenn nicht sogar besser - sind. Hier stehen für mich ganz klar Track 3 + 5 Pate.

Das Album ist aber so vielschichtig, dass allein der Versuch, nach dem besten Song Ausschau zu halten, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es gilt: zurücklehnen und genießen! Lasst Euch mitnehmen,  auf musikalische Reisen rund um den Globus, in vergangene Zeiten und unbekannte Welten. Ich - für meinen Teil - bin begeistert! Wer Rush, Pink Floyd, Queen, Yes und die alten Genesis mag, der wird dieses Album lieben, versprochen!

Für aller Metaller: Während der Durchläufe von "Wolflight" sind mir immer wieder bestimmte Sounds aufgefallen. Irgendwann dämmerte es. Es waren Sounds und Bruchstücke, die mir durch Savatage bekannt waren. Speziell einige Passagen von "Hall Of The Mountain King", wie ich finde. Wenn ich dann noch an "Handful Of Rain" denke, einem Savatage Album, das nicht nur einmal an Bohemian Rhapsody von Queen erinnert, schließt sich der Kreis. Steve Hackett hat nicht nur ganze Generationen von Musikern beeinflusst, er stellte mit einigen anderen Musikern seiner Zeit auch die Weichen für das, was wir heute Prog und sogar Symphonic Metal nennen. Und das er es immer noch faustdick hinter den Ohren hat, beweist er mit seinem aktuellen Werk "Wolflight", einem Prog-Rock Album, an dem sich 2015 noch einige Bands die Zähne ausbeißen werden. Empfehlung!

Dirk


VÖ: 20.2.2015  Label: InsideOut Music



 

Neaera - Armamentarium "2007"

Neaera? Metalcore? "Nee, nicht mein Ding" mag der Eine oder Andere denken. Scheiß der Hund drauf! Nehmt eure Scheuklappen und schmeißt sie in den Müll. Denn von den Metalcore-Wurzeln der Band ist zumindest für mich so gut wie nichts zu hören. Stattdessen regiert die Death-Metal Keule, garniert mit wütendem Gegrowle und Geschrei.Gegen Langeweile wird hier und da auch etwas Melodie serviert, so zum Beispiel im Titeltrack oder dem grandiosen "Synergy". Verschnaufpausen, Akustikgedöns oder gar Seelenstreichler gibts hier nicht, hier gibts von vorne bis hinten kompromisslos in die Fresse! Wer sich beim Wutklumpen "The Orphaning" nicht freiwillig selbst den Schädel abmontiert, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Antesten!

Jan