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Iron Maiden - The Book Of Souls - Review

Das 16. Studio-Album von Iron Maiden, "The Book Of Souls", steht in gut einer Woche in den Läden. Der Countdown läuft und langsam werden auch wir sehr nervös. 5 lange Jahre sollte es dauern, bis die Eisernen Jungfrauen ihren Fans endlich ein neues Album präsentieren.

Werfen wir kurz einen Blick in die Discografie von Iron Maiden. Seit dem Jahr 2000 stehen 5 Studio-Alben inklusive des aktuellen Longplayers "The Book Of Souls" zu Buche. Auf dem überaus genialen "Brave New World" feierte Bruce Dickinson sein Comeback und Iron Maiden waren seinerzeit in der Szene angesagter denn je. Mit "Dance Of Death" gab's 2003 den Nachfolger aus Ära 2 mit Bruce Dickinson. Nicht der beste Sound, aber zu Unrecht völlig unterbewertet. "A Matter Of Life And Death" folgte 2006, enthielt ebenfalls das ein oder andere Highlight, glänzte aber ebenfalls nicht unbedingt durch übermäßige Soundqualitäten und kam erst Recht nicht an dem wahnsinnig genialen Solo-Album "Tyranny Of Souls" (2005) von Dickinson selbst vorbei. 2010 veröffentlichten Maiden dann eines ihrer umstrittensten Alben in der Geschichte der Band. Fans und Presse teilten sich in 2 Lager und noch heute ist man sich nicht einig, ob "The Final Frontier" in die Kategorie gut oder schlecht gehört. Trotz allem war es das kommerziell Erfolgreichste in der langen Bandgeschichte.

Hören wir also, was "The Book Of Souls" - neben Motörheads "Bad Magic" und Slayers "Repentless" eines der langerwartetsten Metal-Alben dieser Tage - auf dem Kasten hat.

Sound und Produktion gehen schon einmal voll in Ordnung, soweit wir das den mp3-Dateien entnehmen können, die von Warner UK derzeit besser behütet werden, als ein Staatsgeheimnis der Queen. Die Audio-CD wird also qualitativ noch eine Schippe drauflegen und so dürfen wir uns schon einmal auf eine sehr organisch und transparent klingende Langrille freuen. Im Übrigen wurde das Album im gleichen Studio (Guillaume Tell Studio - Paris) wie "Brave New World" aufgenommen.

Vor uns liegen 90min Musik, genaugenommen 90:11min, die von Iron Maiden auf 11 Songs und 2 Discs verteilt wurden. Das längste Album, welches zusätzlich auch den längsten Song der Bandhistorie enthält, das die Jungfrauen je veröffentlicht haben. Keine Angst, wir nehmen nicht jedes Buch aus dem Schrank der Weisheit, denn Highlights, Grundstimmung und ein guter Überblick sollten reichen, um eine tendenzielle Bewertung abgeben zu können. Denn sind wir ehrlich, 90min Musik bewertet man nicht mal ebenso.

Play! Der von Dickinson im Alleingang komponierte Opener wird durch ein anderthalbminütiges Intro eingeführt. Der Song selbst agiert im mittleren Tempo und lebt von einer soliden Melodie, die erst nach dem dritten Anlauf wirklich fruchtet. Eine Tatsache, die auf dem 2010er Werk fast gänzlich ausgeblieben ist. Mit "Speed Of Light" folgt 'nen klassischer Maiden-Song, der bereits am 26.8.2015 via MUZU-TV als Video veröffentlicht wurde. Auch hier gilt: in jedem Falle eingängiger und markanter als das The Final Frontier-Material.

Tendenziell kann der Daumen schon einmal gen Himmel gestreckt werden. Track Numero 3 steht seinem Vorgänger in nichts nach und kann im letzten Drittel sogar durch genial markante Gitarrenarbeit punkten. Wir nähern uns dem ersten Song mit Überlänge. "The Red And The Black" wurde vom Boss Steve Harris persönlich aus der Taufe gehoben. Dieser progressiv anmutende Track schiebt einen wirklich fetten Groove vor sich her. Dem Ba(o)ss gehorchend, steuert "The Red And The Black" nach etlichen Durchläufen direkt an die Spitze des Albums und hält nach gut der Hälfte der Spieldauer zerklüftete aber geniale Saiten-Arbeit bereit, die den Song zu einem echten Hammer werden lässt, und dabei kommt das Baby von Steve Harris fast ohne Gesang aus. Woran das wohl liegen mag? Der Ohohoh-Refrain ist möglicherweise nicht das Nonplusultra, hievt "The Red And The Black" trotz der über 13minütigen Spieldauer eventuell auf die Setlist eines der kommenden Konzerte.

"When The River Runs Deep" stammt aus der  Feder von Arian Smith sowie Steve Harris und folgt dem Beispiel des 4. Songs. Abermals geniale Gitarrenarbeit, die wir schon jetzt als das Zugpferd des 2015er Albums "The Book Of Souls" herausstellen möchten. Langsam wird's interessant! Kommt er noch, der ultimative Song, bei dem Dickinson seine Stärken voll ausspielen kann und eine Hammer-Melodie zum Besten gibt? Ein Song, bei dem man alles anspannen möchte, damit einem die Euphorie nicht jede einzelne verdammte Muskelfaser zerreißt? Wir wollten hier versprochenermaßen nicht jeden Song aufführen und stürzen uns daher direkt auf Track 9 ("Tears Of The Clown"), der ebenfalls aus der offensichtlich sehr fruchtbaren Zusammenarbeit von S. Harris und A. Smith stammt und der erste Anwärter auf den eben erwähnten ultimativen Song zu sein scheint. Yeaahh! "Tears Of The Clown" - da ist er, der Hammer-Song! Repeat-Funktion einschalten, gegen Deaktivierung sichern - also Räumlichkeiten verriegeln, den oftmals größten Knopf der Audiomaschine nach rechts drehen, Arme ausbreiten und bis zum Einsetzen eines Gänsehaut-Muskelkatarrhs "Tears Of The Clown" dudeln lassen. Als Belohnung gibt es ein Solo, das Euch die zähflüssigen Tränen des Clowns direkt und ohne Rücksicht in die Augen zaubert, versprochen! Der 10. Song im Bunde hört auf den Namen "The Man Of Sorrows", beginnt extrem stark und erfährt komischerweise nach zweieinhalb Minuten einen disharmonischen Wandel, dessen Töne nur schwer nachzuvollziehen sind. Gottseidank fängt er sich kurz darauf wieder und bringt den Rest der ansonsten guten Nummer sicher nach Hause. Der Weg für den letzten und längsten Track des Albums ist nun geebnet.

"Empire Of The Clouds" wurde von Bruce Dickinson komponiert, und zwar ebenfalls im Alleingang. Das es sich bei einer Länge von über 18min um leichte Kost handeln wird, ist stark zu bezweifeln. Kopfhörer auf, Platz auf dem royalen Ohrensessel einnehmen, Augen schließen und Play! Ach so, die Repeat-Funktion darf jetzt deaktiviert werden, sonst verpasst ihr noch das nächste Maiden-Konzert. Freunde! Was für ein ausschweifender Monster-Song. Harmonische Piano-Klänge eröffnen die Reise, klagende Streicher übernehmen, beide streben dem Moment entgegen, der nach zwei ruhigen Minuten einsetzen wird. "To ride the storm to an empire of the clouds..." Bruce Dickinson holt tief Luft und liefert die kommenden Minuten eine grandiose Gesangsleistung ab, die durch eine ebenso geniale instrumentale Achterbahnfahrt abgelöst wird und ab der 10. Minute ihren Höhepunkt erreichen soll. Die stets präsente Gitarrenarbeit des Trios Gers/Smith/Murray bringt es auch hier auf den Punkt und setzt bis ca. 12:30 min dem Song die Krone auf. Danach wird's auf dem Album erneut unharmonisch. Wüste Sounds stehen nun einem nicht so überzeugenden Gesang des Meisters persönlich gegenüber, obwohl es sich gerade in diesem Teil des Songs offensichtlich um den intensiven Höhepunkt des Marathon-Tracks handelt. B. Dickinson weiß in den ruhigeren Passagen wesentlich mehr zu überzeugen. Erst ab Minute 15 glätten sich die Wogen. Das Piano bringt zum Ende, was es verheißungsvoll begonnen hat. Unabhängig davon ist dieser Track wirklich gut und die 18 Minuten vergehen fast unbemerkt. Großartiger Track, der viele schöne Harmonien enthält und erneut vom Luxus, dass die NWONHM-Helden Iron Maiden 3 Gitarristen vorweisen können, profitieren kann. Eine furiose akustische Reise, die nur wenig Wünsche offen lassen wird.

Fazit, Resümee oder das Ende von 11 Liedern: Iron Maiden sind auf den Platz der Arena getreten, in der nur die Besten ihr Können unter Beweis stellen dürfen. In die Schlacht haben sie ein Album geführt, dass durch seine Komplexität wohl erst nach dem 10. Anlauf vollständig zu erfassen ist. Kompositorisch macht den Jungfrauen auch 2015 niemand etwas vor. "The Final Frontier" scheint sich reumütig "The Book Of Souls" zu unterwerfen und so können wir einem wirklich guten, wenn auch nicht perfektem Album, entgegensehen. Doch was erwarten wir, denn immerhin sind wirklich erstklassige Songs an Board: "The Red And The Black", der eingängige Track "Tears Of A Clown" und die progressive, musikalisch ausufernde Marathon-Reise "Empire Of The Clouds". Die Kompositionen sowie Vier- und Sechssaiter sind das unerschütterlich, massive Fundament des neuen Albums. Erstaunlicherweise ist es gerade der Gesang, der "The Book Of Souls" nicht nur die schönsten Momente beschert. Ohne Frage, Bruce Dickinson hat eine begnadete Stimme und sorgt im Track "Tears Of The Clown" für den absoluten Höhepunkt des Silberlings, doch leider gelingt ihm das nur relativ selten und so zieren auch das 2015er Werk einige Passagen, aus denen er wirklich mehr herausholen hätte können.

Ungeachtet dessen ist "The Book Of Souls" ein mächtiges Album, das mit 8,5 Talkern in die Kategorie "äußerst empfehlenswert" gehört.

Dirk

8,5/10 Talkern



Tracklist: Disc 1: 1. If Eternity Should Fail (Dickinson) 8:28 2. Speed Of Light (Smith/ Dickinson) 5:01 3. The Great Unknown (Smith/ Harris) 6:37 4. The Red And The Black (Harris) 13:33 5. When The River Runs Deep (Smith/ Harris) 5:52 6. The Book Of Souls (Gers/ Harris) 10:27

Tracklist: Disc 2 7. Death Or Glory (Smith/ Dickinson) 5:13 8. Shadows Of The Valley (Gers/ Harris) 7:32 9. Tears Of A Clown (Smith/ Harris) 4:59 10. The Man Of Sorrows (Murray/ Harris) 6:28 11. Empire Of The Clouds (Dickinson) 18:01


VÖ: 4. September 2015 Label: Parlophone - Warner Music UK



 

Jacobs Dream "Jacobs Dream" 2000

Jacobs Dream sind in der Tat ein Traum. US-Power Metal der allerfeinsten Sorte. Ich denke, dass die ersten beiden Alben - der Truppe aus Ohio -  absolute Meilensteine sind und auch für immer bleiben werden. Das liegt wohl vor allem an der ganz eigenen Stimmung, die Jacobs Dream mit ihrer Musik aufbauen können. Die Vocals des Sängers David Taylor tragen nicht unerheblich zu diesem Umstand bei. Die ersten Sanctuary Alben transportieren ein ähnliches Feeling. (ich weiß, es gibt nur zwei - aber das wird sich bald ändern)

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