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Overkill "Feel The Fire" 1985

Es ist wieder einmal Zeit für einen Klassiker! Ich kann gar nicht genau sagen, wie oft und natürlich wie lange ich in meinem Leben schon auf das Cover von Overkill's "Feel The Fire" gestarrt habe. Ich weiß aber mit absoluter Sicherheit zu sagen, dass ich noch heute die Haltung der "Typen" auf dem Cover annehme, wenn irgendjemand meint, er müsste mir meine geliebte Musik madig reden. "Feel The Fire" erschien im Jahre 1985 und erst 2  Jahr später bin ich dieser genialen Scheibe habhaft geworden.

Selbstverständlich nur als Tape, direkt vom Original-Vinyl auf 'ne 90er Chromedioxide TDK! Overkill sei Dank, betrug die Spieldauer der Langrille nur gute 40 Minuten, denn dieser Umstand trug dazu bei, dass ich die komplette B-Seite mit Candlemass' "Epicus Doomicus Metallicus" bespielen "lassen" konnte, die sich mit ca. 43 min Gesamtlänge meinen damaligen finanziellen Mitteln hervorragend anpasste, weil eine 90er TDK Kassete fast ein Fünftel meines monatlichen Einkommens - als Auszubildender hinter dem eisernen Vorhang - stahl. Voller Vorfreude holte ich nach der Schule das Tape von meinem Kumpel Olli ab und legte die 1,5h-Wertanlage in meinen 3kg schweren Walkman der Marke Fisher. Auf dem Weg in mein Elternhaus wurde ich angesprochen, warum ich denn so debil grinse, nur weil ich ein Brot unter meiner Jacke verstecke. In der Tat war es lediglich mein Walkman, den ich da unter meinem Leibchen trug. Man musste sich fortbewegen wie ein buckliger Greis, damit niemand merkte, dass die Kopfhörer nicht in einem Brotlaib steckten, sondern in einem Walkman. Das Grinsen jedoch - wer will es glauben - trieben mir die ersten Noten des nunmehr 28 Jahre alten Overkill-Klassikers in die Larve. 

Play! Ich drückte den Riesenknopf des mobilen Tapedecks ins Gehäuse und lauschte dem Intro von "Feel The Fire". Endlich befand ich mich in meiner Welt, doch ab der 40. Sekunde wurde ich - durch den abrupt einsetzenden Powerchord - aus Selbiger gerissen. Ladys & Gentlemen? It's Overkill-Time! 

1987 war man in punkto Härte bereits einiges gewohnt - Slayers "Reign in Blood" (1986) sowie Death' "Scream Bloody Gore" (1987) hatten buchstäblich brutale Maßstäbe gesetzt. Wie bereits erwähnt, erschloss sich mir die Musik der New Yorker erst '87 und daher wirkte "Feel The Fire" relativ gemäßigt auf mich. Zu meiner Freude musste ich aber feststellen, dass Overkill eine sehr spezielle Spielweise vorlegten. Sie lärmten lebendiger als andere Bands, leidenschaftlicher und tönten dabei unglaublich dynamisch. Kurzum: Sie waren & sind einzigartig! Besonders der treibende Arbeitstakt der Rhythmus-Fraktion hatte es mir angetan. Nicht selten wurde mitten im Stück das Tempo geändert und eine völlig andere Betonung des Grooves eingeleitet. "Rotten To The Core" & "Hammerhead" stehen wie kein anderer Track für die unvergleichliche Art des overkillschen Spiels Pate. Mit dem Titelsong haben Overkill natürlich den Band-Choral überhaupt abgeliefert. Auch hier ist wieder ganz klar ab der 3. Minute ein hammermäßiger Tempowechsel zu hören, wobei schon 30 Sekunden später eine der markantesten Passagen innerhalb eines Overkill-Songs ever einsetzt. Higher! Higher! Feel the fire! Während der schweißtreibenden Shows der Amis ist "Feel The Fire" immer wieder ein Höhepunkt. Die Stimme von Bobby ist ebenfalls sehr markant und unter vielen Kollegen seiner Zunft mit Leichtigkeit herauszuhören. Gerade bei "Feel The Fire" möchte man am liebsten seine komplette Ösophagus durch den Rachen tröten. Einfach fantastisch. Track Numero 9 - "Overkill" - ist für mich das musikalische Denkmal der 80er Jahre, hier ist nicht nur der Bandname Programm, hier wird man mit den Trademarks New York's Finest gerade zu überhäuft. Den markerschütternden finalen High End Scream von Bobby gibt es gratis on top. "Rotten To The Core", "Hammerhead", "Feel The Fire", "Blood And Iron" sowie "Overkill" sind definitiv Höhepunkte des ersten Langeisens der Truppe um D.D. Verni und Bobby alias Blitz. Dieser Klassiker ist auch nach fast 30 Jahren immer noch ein Sahnestück meiner hauseigenen CD-Sammlung und kann jedem Neuling unserer Fan-Gemeinde bedenkenlos als Pflichtbesitz auf den Laufzettel gepinselt werden.

 Nachwort:

Seit Anfang der 90er Jahre verfolge ich nun die Entwicklung dieser grandiosen Band auch auf dem Live-Sektor. Selbst wenn es mal nicht so gut für Overkill lief, haben sie sich doch immer loyal verhalten, ihr Bestes gegeben, sich sprichwörtlich den Arsch abgespielt und wenn es vor nur schätzungsweise 50 Nasen im damaligen Berliner Ecstasy Club war. 120 Prozent und durch! Ich glaube die Show wurde seinerzeit vom Huxley's ins Ecstasy (es war noch nicht einmal die Hauptbühne) verlegt, weil schon der Vorverkauf auf ein Dilemma hinwies. Als Overkill aus dem Tourbus stiegen, trauten sie ihren Augen nicht. Ich werde nie die enttäuschten Augen von D.D. Verni vergessen, als er aus dem Bus kletterte. Ein Club in der Größe eines Wohnzimmers und noch nicht einmal voll. Trotzdem war auch diese Show intensiv und Overkill gaben wirklich alles. Wir sind damals glücklich und zufrieden nach Hause gefahren und wussten seit dem: In union we stand! Viele Bands hätten das Konzert möglicherweise abgesagt. Nicht mit Overkill. Das ist wahre Größe! Inzwischen läuft die Overkill-Maschine wieder auf Hochtouren und die Jungs bekommen die Anerkennung, für die sie jahrelang gekämpft haben.

Stay heavy!

Dirk


Anmerkung: Jaaa Dirk, ich hätte es nicht besser schreiben können. Das trifft den berühmten Nagel auf den Kopf. Ich freue mich unermesslich. Dankeschön für dieses Review. 

Skullkrusher Torsten



 

Tracklist "Feel The Fire" 1985 

  1. Raise The Dead 04:18
  2. Rotten To The Core 04.58
  3. There's No Tomorrow 03:59
  4. Hammerhead 04:00
  5. Feel The Fire 05:47
  6. Blood And Iron 02:38
  7. Kill At Command 04:47
  8. Overkill 03:36
  9. Sonic Reducer 02:50

Vorliegende Ausgabe:

  • The Classic Megaforce Collection
  •  Compact Disc P & C 1987
  • Megaforce Entertainment 
  • under license Steamhammer / SPV 1998

 

Monkey3 "The 5th Sun" 2013

Kennt ihr das überragende Gefühl, wenn sich in dem vom Alltag geschundenen Leib alles zusammenzieht, man vor Freude intervallartig die Bauchmuskeln im Takt der Musik anspannt, sich auf dem Rücken und neuerdings auch im Gesicht eine megafette Gänsehaut abzeichnet und ihr einfach nicht möchtet, dass diese überirdisch geniale Passage des Songs aufhört? So geschehen beim ersten Durchlauf des aktuellen Longplayers "The 5th Sun" der Schweizer Monkey3. Genauer gesagt bei Track Numero one, jener auf den Namen "Icarus" hört. Man will umgehend auf die Straße stürmen und der ganzen Welt schreiend mitteilen, dass diese Musik grenzenlos genial ist.

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