1. Releases

  2. Interviews

  3. Live-Dates

  4. Verlosung

  5. Shirt-Talks

  6. wir hören



Live Review The Damned, Theater Of Hate & The Ruts DC - London 13.12.13

An zwei Dinge solltest Du denken, wenn Du nach London fliegst: Vollbart ab, falls dir eine Heidschnucke um die Futterluke gewachsen ist und 'nen Schlafsack im Anschlag, wenn du ein Doppelzimmer im Londoner Ibis Hotel gebucht hast. Aber dazu später mehr. Am Freitag, den 13. Dezember 2013, machten wir uns auf ins ferne London, um The Damned, Theater Of Hate sowie The Ruts DC im kultigen Roundhouse zu bestaunen.

Unser Alt-Punker Matze, hält große Stücke auf die "Verdammten" und da Lemmy mit den bunten Vögeln auf einer Bühne stand, scheinen beide offensichtlich ähnliche Ansichten zu haben. Erst einmal hieß es ankommen, denn am 13. und selbstverständlich auch noch an einem Freitag auf die Insel zu fliegen, erinnerte mich an die Existenz von Aberglaube und anderen Gruselgeschichten. Wie dem auch sei, ich schreibe diese Zeilen und damit haben sich weitere Spekulationen erübrigt. Aber halt, nachdem uns die Londoner Tube zu Presswurst verarbeitete und unsere ausgequetschten Leiber am Euston Square ausspuckte, checkten wir ziemlich ausgelutscht im Londoner Ibis Hotel ein. Ein Blick auf die homogene Fläche unseres Nachtlagers, eröffnete uns folgenden Umstand: Diese Nacht werden wir unter einer Decke schlafen! Den vorangegangenen Satz bitte ein zweites Mal lesen. Meinem fortgeschrittenen Haarausfall sei Dank, standen die Aktien doch recht gut - von unserem Punk - nicht mit einer Frau verwechselt zu werden. Seinen Irokesenschnitt büßte Matze auch schon vor Jahren ein, somit hatte ich wenigstens nicht das Gefühl, mit einem Hahn das Nachlager teilen zu müssen.


Lachend und "kopfkinogeplagt" verließen wir bestens gelaunt das Hotel, um im Londoner Stadtteil Camden, dem legendären World's End Pub einen Besuch abzustatten. Mit Nostalgie und einem englischen Pint in der Blutbahn, steuerten wir nun das Roundhouse an, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Aus dem Inneren des alten Lokschuppens dröhnte bereits eine Mischung aus Punk und Reggae. Ruts DC hatten wohl schon Stellung bezogen, um den Londoner Fans eine gehörige Lektion aus der Geschichte des 70er-Punks zu erteilen. Mit diesen Klängen hatte ich nicht gerechnet, doch unser Punk-Spezialist alias Matze, erklärte mir fachkundig, dass Reggae durchaus ein Teil der frühen Punkwelle gewesen sei, aus der auch die Band The Ruts hervorging. Im Lokschuppen ging unterdessen die Post ab, kein Wunder, denn irgendwie schien die gesamte Londoner 70er-Szene anwesend zu sein, um ihre alten Helden gebührend zu feiern. Unzählige alte Ruts-Shirts ließen zumindest darauf schließen. Bei meinen Recherchen für dieses Review, bin ich zwangsläufig auf den Namen von Henry Rollins gestoßen, der im Jahre 2007 - den an Lungenkrebs erkrankten Paul Fox ersetzte, um gemeinsam mit der reformierten Band Ruts DC, ein Benefiz-Konzert zu Gunsten des erkrankten Fox zu spielen. Unterstützt wurden sie damals unter anderem von den U.K. Subs und TV Smith, um nur einige zu nennen. Paul Fox starb leider noch im gleichen Jahr. R.I.P


Es war schon eine herrlich bunte Bunte Mischung, die Ruts DC auf höchstem Niveau ins Rund des alten Gemäuers drückten. Theater Of Hate waren nicht minder interessant und sollten uns - mit ihrem sogenannten Post-Punk - arg ins Staunen versetzten. Besonders markant war das allseits präsente Saxophone. Theater Of Hate setzen es oftmals als flächige Hintergrund-Untermalung ein, die dem Zuhörer das Vorhandensein eines neuzeitlichen Keyboards suggeriert. Nachdem es mit "Legion" und "Original Sin" in die erste Runde ging, kochte der Lokschuppen bereits über. London feierte seine alte Helden nach Strich und Faden. Uns wurde sehr bald klar, warum die Punkbewegung in England einen anderen Stellenwert einnahm, als beispielsweise im heimischen Deutschland. Musikalisch über jeden Zweifel erhaben und mit dem Charme der achtziger Jahre, ging es unaufhaltsam dem wohl bekanntesten Song ihrer Bandgeschichte entgegen. "Do You Believe In The Westworld?" ließ das komplette Roundhouse mit dem Allerwertesten wackeln. Altpunk, Skinhead, Hippie und auch Grandma, honorierten die Leistung auf der Bühne mit Ska-ähnlichen Kriegstänzen. Ob wir auch die die Hüfte schwangen? Nee Freunde, denn viel zu groß war die Gefahr, dass diese Bewegungen unsere Nervenkostüme überforderte, denn immerhin lauerte im Hotelzimmer noch "Die Decke" - "Die Eine" auf uns.  


 


Wir widmeten uns erst einmal dem Tresen, damit wir der doch recht großzügigen Umbaupause die Stirn bzw. das Bier bieten konnten. Es wurde verdammt voll - zwischen den Säulen, die seit vielen Jahrzehnten als Zeugen der Punk- und Rockgeschichte - stilvoll und herhaben - das Dach des ehrwürdigen Roundhouses tragen. Nicht lachen, aber ein Gespräch - mit einer dieser Säulen - würde wohl die ein oder andere Story von den guten alten Ramones zu Tage fördern, die hier schon Mitte der Siebziger (1976) zum Tanz aufspiellten.

"Sanctum Sanctorum" vom '85er Album ließ das Pausen-Getöse urplötzlich verstummen. Die Luft wurde kapp, der Platz vor der Bühne ebenso, denn The Damned schickten sich an, das Londoner Roundhouse - für gewaltige 21 Songs - in einen punkigen Hexenkessel zu verwandeln. Spätestens bei "Wait For The Blackout", dem dritten Song an diesem Abend - stellte sich heraus, dass ich meine Position vor der Bühne mit vollem Körpereinsatz behaupten musste. Eine 120 kg schwere "Dame" zeigte mir unmissverständlich, auch bei einem Konzert von The Damned, gelten die allgemein bekannten physikalischen Gesetzte. Wo ein Körper ist, kann kein Zweiter sein! Dies sollte nicht der letzte Rückschlag an diesem Abend sein. Captain Sensible störte das herzlich wenig, war er doch der Star auf der Bühne, der vom 120 kg - Pracht-Weibchen bejubelt wurde.Die Gitarrenarbeit des Captains ist ja ohnehin längst bekannt, aber was sich auf der linken Seite der Bühne abspielte, war wirklich eine außergewöhnliche Lektion auf 6 Saiten. Beim Song "Plan 9 Channel 7", vom '79er Album "Machine Gun Etiquette", wurde dies mehr als deutlich. Awesome!

Gefühlte 20 Minuten vor dem Zugabe-Teil, meldete sich meine ausgetrocknete Bier-Drüse. Ich kämpfte mich zum Tresen, der nunmehr von der Londoner Arbeiterklasse okkupiert wurde. Nach 10 min des qualvollen Wartens, bewegte sich ein riesiger Mensch in meine Richtung. Wir ähnelten uns optisch - bis auf Länge und Bart - sehr, doch mein Vollbart war diesem Individuum wohl ein Dorn im Auge. Offensichtlich ordnete er mich einer Religion zu, bei der Bärte durchaus ein Zeichen lebenslanger Mitgliedschaft sind. Seine riesigen Bier-Griffel verfingen sich sofort in meinem Gesichtsfell. Mit finsterer Mine und einer gigantischen Beer-Flag, trat Mr. Hosenträger seine Beweisführung an. Er deutete auf die Barkeeper hinter dem Tresen, jene ebenfalls ein imposantes Gesichtsfell trugen. Ihre nordafrikanische Herkunft konnten diese nicht leugnen. "Siehst du", meinte Mr. Hosenträger, "sie tragen auch Bärte", fügte er siegessicher hinzu! Also bist du einer von ihnen und gehörst damit folglich ihrer Religion an. Die ersten Barthaare lösten sich bereits aus meiner Haut und wechselten den Besitzer. Dirks Kinnlocken in fremden Händen? Nee, dachte ich bei mir und suchte nach Worten. "I'm a german Ateist", schoss es mir durch den Kopf. Hätte er Ateist mit Militarist oder ähnlichem Wortlaut verwechselt, nicht auszudenken! In diesem Augenblick hätte ich lieber mit einem Hahn unter einer Decke schlafen wollen. Auch die 120 Kilogramm in der 2. Reihe vor der Bühne, wären nun eine wunderbare Option gewesen. Mit langen Hacken entzog ich mich dem Störenfried, der urplötzlich von mir abließ, als meine Bartbrüder verkündeten, dass er nun an der Reihe sei, um jenes Bier zu bestellen, auf das ich seit 10 Minuten wartete.

Inzwischen ertönte das Elton Motello Cover "Jet Boys, Jet Girl", bei dem der gesamte Laden noch einmal ordentlich in Wallung kam. Es folgte "Anti-Pope", ein wahrer Punksong, der dem anwesenden Volk das Letzte abverlangte. Captain Sensible kündigte nun die letzte Nummer an. "Smash It Up" sollte am 13. Tag des Monats Dezember - im Jahre 2013 - der Rausschmeißer sein. Zwischen den Säulen des Lokchuppens ging sprichwörtlich der Punk ab. Ein Fest für die Punkseele sowie ein denkwürdiger Abend gingen unaufhaltsam dem Ende entgegen. Noch lange, nachdem der letzte Ton verklungen war, standen wir im Rund der Londoner Kult-Arena, genossen die gute Stimmung und sahen ehrfürchtig in die kreisförmige Deckenkonstruktion, die bereits 1847 geboren wurde und 119 Jahre später - nämlich 1966 - das Eröffnungskonzert mit Pink Floyd erleben durfte. Glückselig und zufrieden stellten wir uns der letzten & größten Herausforderung, der gemeinsamen Nacht unter einer Decke.

Mein Dank gilt Matze, der diesen unvergessenen Trip ins ferne London - sowie in die Zeit der 70er & 80er Punkwelle - möglich machte. 

Dirk


Quellen: setlist.fm / Wikipedia sowie die Webseiten der Band & Musiker 

Hard'n'Heavy eventim.de


 hard & heavy Tickets bei www.eventim.de


Konzert Reviews

GUNS N' ROSES - Live Review - 22.06.2017 Hannover Messegelände

Legenden, Helden, Vorbilder. Schon Genrationen vor uns feierten die "gefährlichste" Band der Welt. Mit ihren Skandalen, Drogen & Alkoholkonsumen machten GUNS' N ROSES nicht nur Schlagzeilen, sie wurden durch ihre Musik zu einer Art aggressivem Kult der 80er und 90er Jahre. Wer in dieser Zeit aufgewachsen ist, die Band vllt. das ein oder andere Mal live sah, weiß sicherlich, wovon ich spreche.

Weiterlesen ...

Feldbrand Festival 2016 - The Vibe - Slot Machine - Used F.O. - Review

Feldbrand Festival? Sicherlich ein Erntedankfest, das wie so viele Events im Herbst dem huldigt, was der Mensch Mutter Erde mühevoll abgerungen hat, um es zu vergären, zu brennen und zu verehren. Nicht schlecht, dachte ich und machte mich auf ins malerische Willmersdorf nahe der Stadt Bernau, die schon im Mittelalter über die Grenzen hinaus für ihre Braukunst bekannt war.

Weiterlesen ...

Live Review Cattle Decapitation + Letzter - Bi Nuu Berlin - 18.07.2016

Nachdem Cattle Decapitation bereits im Frühjahr im Rahmen der Tyrants of Death Tour die Grundfeste der europäischen Clubs eingerissen haben, sattelte das Death-Grind-Quartett aus San Diego wieder die Pferde, um unter dem Banner "The European Extinction" die Begleitmusik für das Aussterben des Kontinents zu liefern.

Weiterlesen ...

Metal Frenzy 2016 - Live Review - Samstag 18. Juni - Gardelegen

Himmel, Arsch und Wolkenbruch - war das ein Event! Zwar können wir nur vom Samstag berichten - Asche auf unser Haupt - doch um sich einen Eindruck von den Gegebenheiten und der Organisation zu verschaffen, reichte der finale bzw. letzte Tag allemal aus.

Weiterlesen ...
Speedtrap - Straight Shooter - Review

Wer möchte sich schon gern mit Heavy Metal beschäftigen, der nicht wirklich gefällt? Da ziehen wir doch gleich das nächste Album aus der 80er-Kategorie, um uns voll und ganz dem dreckigsten aller Speed Metal Alben hinzugeben.

Weiterlesen ...