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Chemia + King Of The North - Live Review Sage Club Berlin 16.7.2015

Es war ein bizarrer Abend, und zwar in jeder Hinsicht. Chemia und King Of The North hatten sich an diesem lauen Sommerabend in einen für meine Begriffe zwiespältigen Berliner Nachtclub eingemietet. Zwiespältig, weil der Sage Club in der Köpenicker Straße (ehem. Berliner Grenzstraße, die 1961-1989 durch die Mauer geteilt war) reichlich Publikum zieht und die Bands daher Zugang zu einer wirklich breiten Masse erlangen, nur ist dieser Club eben kein Kleinod für potentielle Rockliebhaber oder gar Metaller.

Im Gegenteil, der Sage Club zieht Nacht für Nacht Touristen aus aller Herren Länder, Party-Besessene, Bewunderer bewusstseinserweiternder Substanzen und Durchschnittswahnsinnige an. Das Innere des Sage Clubs beherbergt einen Pool, mehrere Floors, die an den Wänden allesamt mit wunderschönen Obszönitäten verziert wurden, auf denen Tiere und Menschen ihre Vergnügungszentren zur Schau stellen. SM-Werkzeuge und obskure Sitzmöbel setzten dem Ganzen die Krone auf. Nachdem mich die zweite Nebeleule lüstern ansprach und gar ein Dritter seinen Tascheninhalt präsentierte, weil er dachte, ich gehöre der Security an, wurde mir langsam bewusst, wo ich hier gelandet bin. Doch nun zurück zu Chemia und King Of The North.

Gegen 22.30 Uhr kletterten Andrew Higgs (Git/Voc) und Danny Leo /Drums) auf die Bühne. 2 Musiker, King Of The North waren somit vollständig, here we go! Ohne großartiges Rumgepose gingen sie in die Vollen und zündeten ein Feuerwerk, dass mich für die letzten 2 qualvollen Stunden entschädigte. Es dauerte nicht lange, da kamen aus allen Ecken des Clubs Schaulustige gekrochen, um der siebenköpfigen Band zu lauschen, denn Andrew und Danny erzeugten eine gewaltige Soundwand, bei der man locker den Eindruck bekam, 14 Hände bedienten 7 Instrumente. Unglaublich, zumal beide den Groove gleich löffelweise gefressen haben mussten, so schlug einem selbiger direkt ins Gebälk. King Of The North selbst, betiteln ihren Sound schlicht als Rock Musik. Für mich war es an diesem Abend mehr. Es befreite mich nicht nur für ca. 40 Minuten aus dem Fängen des Sage Clubs, nein - Andrew und Danny lieferten eine riesige Show und ganz großes Kino ab! Zwar hingen noch immer viele Nachtschwärmer am Pool vor der Bar ab, doch vor der Bühne wurde es voll und voller, daran konnte auch der überlaufende Raum nebenan nichts ändern, indem etliche Cyber-Rocker zu schrägen Sounds ihre eigene Party feierten. Ohne Zugabe kamen King Of The North nicht davon und so war es auch nicht verwunderlich, dass die Crowd ihr Recht einforderte und den Jungs einen letzten Song abverlangte. Großartige Show des Duos aus Australien!

Es kam wie es kommen musste, Chemia aus Polen sollten es nach diesem fantastischen Gig der Down Under-Rocker verdammt schwer haben, zumal ihr Sound mehr dem klassischen Hard Rock entspricht und viel Raum für seichte Passagen lässt. Was meine Ohren hörten, hatte durchaus internationales Niveau und würde selbst auf großen Bühnen eine gute Figur machen. Nach diesen beiden Underdogs von King Of The North hingegen, hatte es der Fünfer aus Warschau nun wahrlich nicht leicht. Qualitativ bewegten sich Chemia auf höchstem Terrain und zogen langsam aber sicher die Masse in ihren Bann. Möglicherweise musste man auch erst umdenken, um zu verstehen, dass Chemia auf ihre Art großartig sind. Diese Form des Hard Rocks wird freilich nie zu meinen Favoriten gehören, doch man muss schon taub sein, um nicht zu hören, dass Chemia enormes Potential besitzen. Luke Drapala, seines Zeichens Sänger von Chemia, wirkte zwar etwas zu überzeugt von sich, doch wer will es ihm verdenken, immerhin ist er Frontmann einer Rock Band und da ist definitv kein Platz für introvertiertes Verhalten. Wie dem auch sei, Chemia spielten einen soliden Gig und rockten den Sage Club auf ihre Weise. Eindeutige Sieger des Abends allerdings: King Of The North!

Ein Blick auf die Uhr bestätigte, dass ein Rückzug mehr als sinnvoll sei. Noch einmal schweiften meine Blicke über die unfassbaren Wandmalereien, bevor mich der Nacht Club in einem völlig verstörten Zustand auf die noch immer sehr belebten Straßen Berlins spie.

Dirk

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