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Apocalyptica "Shadowmaker" Album Review

Was erwartet man von einer Band, die vor vielen Jahren - nämlich 1996 - mit einem Album um die Ecke kam, das ausschließlich aus gecoverten Metallica-Songs bestand, damit absolut den Nerv der Metal-Szene traf, obwohl die Tracks lediglich mit überaus eigenwillig klingenden Celli eingespielt wurden, und die sich seit je her konsequent weiterentwickelte?

Kunst! Ich erwarte großartige Kunst! Ich möchte Musik hören, die mich den Alltag vergessen lässt, abwechslungsreich ist und vor allem den Violoncelli das Feld überlässt. Das Cello ist ein Instrument, welches in dieser Form von nur wenigen Musikern in Szene gesetzt wurde, daher erwarte ich ebenfalls ausufernde und exzessive Celli-Malträtier-Orgien. Weltoffene sowie radiotaugliche Rock-Kompositionen stehen somit nicht auf der Wunschliste, doch beschleicht mich das Gefühl, dass wir 2015 eben auch diese geboten bekommen, zumal mit Sänger Franky Perez ein Vokal-Akrobat am Start ist, der genau diese Sparte abdeckt.

Nach einem finster psychedelisch anmutenden Intro geht's genau in jene Richtung, die ich zuvor vermutete. "Cold Blood" (2) bietet Franky Perez den Nährboden, den er benötigt, um seine Stimme dieser Mainstream-Nummer hervorragend anzupassen. Sicher, die Qualität stimmt und viele Bands würden sich alle Finger nach diesem Track lecken, dennoch riecht  "Cold Blood" zu sehr nach Radiokompatibilität. Track 3 "Shadowmaker" macht da weiter, wo "Cold Blood" aufgehört hat, nur erfährt dieser Song nach 2 Minuten eine Wandlung, die spätestens ab Minute 3 zu einem Fest der Sinne wird. Gefrickel und Gefiedel, wie ich es von den Finnen hören möchte! Es folgt "Slow Burn", das aufgrund seiner schaurig schönen Harmonien den nächsten Punkt sammelt, auch wenn der Song eher zu den "normalen" Tracks gehört. Danach gibt es mit "Rain Of Fear" den ersten Höhepunkt des Albums. Kreativität, massive Celli-Wände und eine unglaubliche Portion Wahnsinn treffen auf klagende Melodien. Ja, wer sagt's denn? Das ist Cello-Metal, wie ich ihn liebe. Das hilft mir sogar über die darauffolgende Tränenpresse "Hole in my Soul" weg. "House Of Chains" rockt etwas flotter und groovt direkt ins Radio. Kreativ sind Apocalyptica dabei allemal, doch wird es langsam Zeit für einen zweiten "Rain Of Fear", der mit "Riot Lights" auch umgehend eingeleitet wird. Der poppige Grundrhythmus geht zwar etwas an die Substanz, aber dennoch steht "Riot Lights" auf der Habenseite des Albums. Nach 3,5 Minuten nimmt der Song beeindruckend an Fahrt auf, während wieder einmal weinende Celli-Melodien die Herrschaft übernehmen. Noch 'nen Radio Rocker, wieder ein Tränensammler und dann kommt er, der zweite Akustik-Hammer aus dem Hause Apocalyptica: "Til Death Do Us Part"! Bis der Tod uns scheidet - herzzerreißender Wahnsinn, den nur Apocalyptica in dieser Art spielen können. Der letzte Titel versprüht noch einmal Schmerz und Leid auf ganzer Ebene. "Dead Man's Eyes" ist - im Gegensatz zu den beiden anderen langsamen Nummern - wirklich außergewöhnlich schön und nur mit Antidepressiva zu überstehen.

Ich fasse zusammen: 2-3 Hammermäßige Akustiknummern, ein "Meister der Tränen-Song" und viel Kreativität, stehen massenkompatiblen Radio-Rockern gegenüber, die ebenfalls gute Elemente enthalten. Musikalisch sind die Finnen über jeden Zweifel erhaben und unantastbar. "Shadowmaker" wirkt auf mich dennoch wie eine Mischung aus US-Hype der Marken Nickelback oder Godsmack sowie den üblichen Apocalyptica-Finessen. Letztere kommen leider etwas zu kurz und daher gibt es "nur" 7 Talker. Weniger Radio - mehr Metal, das wär doch mal was! Ich könnte mir vorstellen, dass diverse Mainstream-Suhlen vor Freude Kabolz schießen, wenn sie "Shadowmaker" einlegen. "Shadowmaker" ist ohne Zweifel empfehlenswert, doch ich bevorzuge lieber den Spirit der Anfangstage und beschränke mich daher auf die rar gesäten Celli-Malträtier-Orgien. Würde man den rein musikalischen Aspekt als Bewertungsmaßstab heranziehen, dann sollte dieses Album weitaus besser abschneiden, aber Musik ist eben auch Herzenssache, und dieses erreichten Apocalyptica vor fast 20 Jahren mit ihren Chelli, auf denen sie erbarmungslos alte Helden zum Leben erweckten.

Anspieltipps: Reign Of Fear, Till Death Do Us Part, Dead Man's Eye

Dirk


VÖ: 17.4.2014  Label: Harmageddon Records



 

Stones of Madness – Stones of Madness EP 2014

Na das schau sich doch mal einer an, alle Achtung. Da kommt der „Atheist“ Frontmann Kelly Shaefer und Gitarrist Scott Thompson (Ex-Dry Kill Logic) in Form von STONES OF MADNESS mit der selbstbetitelten EP, einem fetten 5-Tracker, um die Ecke. Hier wird einem eine völlig andere Stilrichtung als bei „Atheist“ um die Ohren gehauen. So soll‘s auch sein, wenn man ein Zweitprojekt am Start hat. Schließlich werden ja meistens genau dann, andere musikalische Vorlieben in die Tat umgesetzt.

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