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Steelwing - Reset, Reboot, Redeem - Review

Meine Herren, hier schlägt die Retro-Ziege dem altem Metal-Bock aber wieder mächtig auf die porösen Hornknochen. Begebt Euch um Gotteswillen bloß in die Nähe eine vernünftigen Audio-Maschine, damit ihr spätestens nach dem dritten Durchlauf die Feinheiten ausmachen könnt.

Ob die Produktion absichtlich so in die Schmalbrust-Ecke gefahren wurde, ich vermag es einfach nicht zu sagen. Auffällig ist dabei, dass selbst die ansonsten für Steelwing so typischen Maiden-Anleihen brutal baden gehen. Irgendwann habe ich mich mit dem Sound angefreundet und ihn als so gewollt hingenommen. Volume-Regler aufgedreht, 4-5 Fulll-Length-Rotationen durch den Schädel gefiltert - und siehe da, es gibt durchaus Augenblicke, die Steelwing in altem Glanze erscheinen lassen. Schönhören? Nein, denn das wäre selbstverständlich ausgemachter Schwachsinn. Es ist ohnehin nicht von der Hand zu weisen, dass wir es hier mit einer reinrassigen 80er-Kamelle zu tun haben, womit ein Großteil krachliebender Maniacs definitv nicht mehr zur Zielgruppe gehören wollen.

Los geht's mit dem Titeltrack "Reset, Reboot, Redeem", der klar in die Kategorie guter Standard gehört. Es folgt ein Brückenschlag auf die Insel von King Diamond. "Ozymandias" ist nett gemacht, doch auch hier können Steelwing nur ihre Pflicht erfüllen. "Och världen gav vika" steht - das Intro eingerechnet - an 4. Stelle und da kann es auch bleiben, denn der in Muttersprache vorgetragene Song zündet einfach überhaupt nicht. Dafür gibt es auf Position 5 einen wahren Hammer. Play it loud! Vielleicht hält sich der relativ komplexe Song anfänglich etwas bedeckt, doch spätestens der Refrain ist einfach ganz wunderbar. Genau der Moment, an dem mir klar wurde, die Jungs haben es immer noch drauf und werden uns bestimmt noch einen Song dieser Marke kredenzen. Der siebente Track (Like Shadows, like Ghosts) tut mir diesen Gefallen, auch wenn er nicht mit einem ebenbürtigen Refrain aufwarten kann, ist er doch immens abwechslungsreich - auch hier wieder, der Blick ´Richtung King Diamond. Herrliche Kopfstimme! Was rede ich da, der ganze Song wurde so tief in die Huldigungssoße triefender Diamond-Kessel getaucht, dass einem ganz "melissisch" und "abigailisch" werden kann. Mit "Hardwired" bringen Steelwing noch 'nen lockeren Melo-Track, dachte ich anfänglich, denn dieser entwickelt sich mit der Zeit prächtig, wird extrem abwechslungsreich, fast schon prog-mäßig und schließt im letzten Drittel mit der einleitenden Melodie. Nicht schlecht! "We Are All Left Here to Die" bildet den Rausschmeißer - Moment, ich muss noch einmal reinhören - doch, das passt. Flott geht's in die letzte Runde, wobei dieser Song seine Stärken klar im instrumentalen Bereich ausspielt. Sehr schöne Gitarrenarbeit am Ende - melodiös und fast mit einer Träne auf der Saite!

Fazit: Dieses Album möchte erarbeitet werden. Auch wenn ich Anfangs unterwältigt war, kann ich jedem - der bereit ist etwas tiefer in die Materie einzusteigen - versprechen, dass sich dieses Langeisen für den geneigten Fan öffnen wird. Ohne Frage, es ist nicht das Nonplusultra und ja, der Sound hat zwar Stil und entführte mich direkt in die verhallten 80er, doch hat sich mit dem überladenen Halleffekt möglicherweise auch Dynamik und Durchschlagskraft der Riffarbeit verabschiedet. Zieht man dann noch verwendete Diamond- und Maiden-Elemente von der Habenseite ab, wird man irgendwo bei 7/10 landen.

Ich habe lang überlegt, aber "Reset, Reboot, Redeem" ist ein Album mit Seele, die sich mir erst nach unzähligen Durchläufen zu erkennen gab. Angesichts einiger wirklich starker Tracks, komme ich nicht umhin, 7,5/10 Talker ins Feld zu führen. Auch wenn der Sound einiges verschluckte, er kann nicht das Maß aller Dinge sein.

Dirk


VÖ: 20.11.2015  - Label: NoiseArt Records



Thrash Bombz "Mission Of Blood" 2014 - Iron Shield Records

Herrlich, der streckenweise sehr punkige Gesang, unterlegt mit einer fetten Double-Bass-Drum und jeder Menge ufta-ufta! "Mission Of Blood" macht definitiv Spaß und kann so manch einer Rezension der definierenden Zunft trotzen. Stinkefinger hoch und nicht darüber nachgedacht, dass der ein oder andere Schreiberling den Begriff Thrash Metal in der Bildzeitung gelesen hat. Thrash Metal besitzt Ecken und Kanten, ist unglaublich dreckig und hat vor allem keinen Rahmen, der in einem Lexikon manifestiert wurde und an dessen Definition sich alles messen lassen muss. Echter Thrash wird Dir auf widerwärtigste Art ins Antlitz schlagen und dich gegebenenfalls  vor den Karren dieser verlogenen Gesellschaft spannen.

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