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Dream Theater - The Astonishing - Review

Ehrlich gesagt habe ich vor dem angekündigten Sound-Hybriden aus Prog Metal und Klassik  ein wenig Angst. Ganz im Ernst, wollen wir hoffen, dass die "drohenden" Klassik-Einflüsse nicht die Oberhand gewinnen.

34 Teilstücke stehen auf der Anzeigetafel der Roadrunner-Stream-Machine. 34 Puzzleteile, aus denen "The Astonishing" zu einen großen, wunderbaren, akustischen Bild werden soll. Schon der erste Durchlauf bestätigt, was wohl jedem von vornherein klar war: Die Qualität ist bestechend gut! Das gilt sowohl für die Produktion als auch für die Arrangements. Letztere sind so erdrückend, dass auch die 10. Umrundung des Materials nicht ausreichen wird, um alles im Detail zu erfassen. Habt ihr etwas Anderes erwartet? Ich nicht!

Wer also in eine Welt eintauchen möchte, in jener unheilbringende Maschinen das Zepter übernehmen, die jegliche Form von Kunst unterdrücken und menschliche Ausdrucksformen unter keinen Umständen zulassen, der sollte sich mit standesgemäßen Kopfhörern bewaffnen oder seinen audiophilen Körper zumindest vor eine passable Anlage verfrachten. Irgendwann erscheint in dieser Geschichte der Auserwählte, der mit seiner außerordentlichen künstlerischen Kreativität einen Denkprozess in Bewegung setzt, der es möglich macht, dass sich der Mensch den Maschinen widersetzt. Der Kern dieser Geschichte ist in der Tat nicht neu, doch Dream Theater projizierten das Martyrium der menschlichen Gattung auf die Kunst, der sie sich selbst seit Jahrzehnten hingeben.

Dieses Album in einem 500 Worte umfassenden Review in seine Bestandteile zu zerlegen, um schließlich und endlich eine alles bestimmende Note aus dem Hut zu zaubern, wäre nicht nur anmaßend, es ist einfach unmöglich. Allein die musikalische Leistung der New York Prog Legende kann nur Verneigung und Respekt hervorrufen. Ehrfurcht wäre ebenso angebracht wie Zurückhaltung, wenn man dieses Monster bewerten möchte. Ich bin mir sicher, den Jungs von Dream Theater würde ein zufriedenes Grinsen übers Antlitz fahren, wenn ihr das Album einfach nur genießt, statt es zu sezieren.

Überwiegend mit einer sehr getragen Grundstimmung, selten ausbrechend, steuern Dream Theater ihre Trademarks durch sämtliche Spielarten klassischer Musik. Ob sanftes Piano, beschwörende Streicher, erhabene Chöre, Bagpipes, Spinett, Filmmusiksounds, Elemente aus Musical und Oper, hier bleibt vom Prog Metal nichts unberührt. Möglicherweise drückt das Klassik-Korsett des Öfteren auf die dynamischen Spitzen typischer Dream Theater-Eruptionen, doch je häufiger sich einige Passagen durch meine Gehörgänge arbeiten, desto genauer kann ich die Partituren des Wahnsinns ausmachen. Wer detailverliebtes Gefrickel bis zur Ankunft des Doktors mag, wird ebenso auf seine Kosten kommen, wieder der unverbesserliche Filmmusik-Fan. Der Kauf dieses Marathon-Albums scheint für jeden, der gute Rock Musik mag eine lohnenswerte Anschaffung zu sein. Wer Spurenelemente aus Meisterwerken wie Edward Griegs Peer Gynt entdecken möchte, der sollte sich ebenso in den Ohrensessel fallen lassen, wie der stets mitzählende Prog-Professor.

Diese musikalische Reise ist unfassbar vielschichtig. So derartig vollgepackt, dass man schon fast von einem Überschuss gewonnener Eindrücke sprechen kann. Also, Kopfhörer auf und genießen! Wer härtere Passagen vermisst und als Metaller 'ne 8-8,5/10 zückt, dem stimme ich zu. Wer Angesichts dieser Übermacht an großartigen Eindrücken auf volle Punktzahl plädiert, dem pflichte ich bei. Wer meint, das Album ist genial und es fehlt möglicherweise die alles entscheiden Übermelodie, dem reiche ich die Hand. Nun ist es an der Zeit, die anfänglich erwähnte Angst vor dem dominanten Klassik-Korsett zu begraben und eben doch mit einer Note abzuschließen.

Dirk

9,5/10 Talkern 


VÖ: 29.1.2016  - Label: Roadrunner Records



 

DevilDriver - Trust No One - Review

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