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Stratovarius - Interview mit Jens Johansson zum neuen Album "Eternal"


Am 11. September 2015 erscheint das neue Album "Eternal" der Finnen Stratovarius. Kurz nach der ersten Hitzewelle im Juli zog die Band durch Europa, um ihr jüngstes Baby standesgemäß zu promoten. Die Mauern des Berliner Gibson-Showrooms strahlten noch immer eine gewaltige Hitze ab und so war es auch nicht verwunderlich, dass alle Beteiligten aussahen, als ob sie gerade in der Sauna waren. Unser Gesprächspartner Jens Johansson war dennoch bestens aufgelegt und stand uns für die kommenden Minuten Rede und Antwort.

Womit wir nicht gerechnet hatten, war der Umstand, wie locker er mit Dingen umgeht, die er zum Beispiel nicht weiß, obwohl es sich um Fakten zum neuen Album handelte. "Weiß eben nicht, war er nicht dabei, hat er nicht geschrieben" Das Ganze kam sehr authentisch und sympathisch rüber. So ist es nun einmal, wenn man nicht in jeden Prozess involviert ist. Getreu nach dem Motto: Legt mir das Zeug hin, wenn ihr fertig seit, ich spiele es dann einfach. Sagte er zwar nicht, aber der Profi in ihm strahlte es aus. Als erstes sind wir ihm mit dem Klassiker unter den Fragen zu Leibe gerückt:

metaltalks.de: Was genau bedeutet der Albumtitel "Eternal"? Bezieht sich der Titel des Albums auf die Band oder eventuell auf unsere Mutter Erde?

Jens: Ich denke, und damit spreche ich für mich, es ist nicht so wichtig, wie das Album heißt. Der Titel sollte aber definitiv cool klingen und eine gewisse Weite haben. Er kann die Musik beschreiben, das Leben, den Planeten oder auch die Kunst. Natürlich sollte er grob zu den Themen des Albums passen und ich hoffe, dass er zu den Songs passt und vor allem zum Cover, das wieder einmal der ungarische Künstler Gyula Havancsak erschuf. (http://www.hjules.com/) Jeder sollte sich seine eigenen Gedanken machen, wenn er die Musik hört und das Cover betrachtet.

metaltalks.de: Kannst Du unseren Lesern bitte ein paar Worte zu den einzelnen Songs sagen?

Jens: Oh, das wird schwer, da wir alle - außer unserem Drummer - gemeinsam an den Songs gearbeitet haben und diverse Songs definitiv nicht von mir stammen.

"My Eternal Dream" (Track 1) handelt davon, dass du niemals deine Träume aufgeben solltest. Halte an ihnen fest, egal, welchen Traum du hast und wer du bist, irgendwann werden sie wahr. Ich denke, Timo wollte genau das damit ausdrücken.

"Shine In The Dark" ist ebenfalls ein Text von Timo. Die Musik hat er gemeinsam mit Lauri Porra geschrieben. Ich glaube, hier handelt es sich thematisch um den Verlust eines guten Freundes. (Im übrigen ein absoluter Hammer Song. - Anm. d. Red)

"Rise Above It" ist wohl von Timo und Matias, ich kann es wirklich nicht genau sagen. In diesem Song geht es darum zu kämpfen, wenn Du Probleme hast. Etwas anders umgesetzt, aber in seiner Kernaussage sehr positiv.

"Lost Without A Trace" handelt von einem Typen, der etwas von seiner Freundin genervt ist. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, hört selbst. (lachend)

"Feeding The Fire" ist wieder etwas negativer. In diesem Track geht es um unsere gewissenlose Gesellschaft, zum Beispiel darum, wie Menschen schreckliche Videos drehen, in welcher Art auch immer, und wiederum andere sich das anschauen. Nur ein Beispiel, wie abgefuckt unsere Welt inzwischen ist.

In "In My Line Of Work" geht es darum, wie schwer es manchmal ist Musiker zu sein und vor allem darum - und das ist eben das Schwierige - wie man persönliche Beziehungen zu anderen aufrecht erhält.

"Man In The Mirror" handelt von wirklich schrecklichen Dingen, die wir manchmal tun.(lacht)

metaltalks.de: Wir springen mal direkt zum letzten Song. Handelt es sich hier um einen Wikinger-Song?

Jens: Ja, genau. Der letzte Track handelt von einem (seine Stimme wird energischer) Viking-Guy! Es ist der Versuch, etwas Viking Metal in diese Komposition zu bringen. Der Text ist etwas gewaltiger und es ist das erste Mal, dass wir als Band an so einer Sache gearbeitet haben. Ein wenig heldenhaft ist er, so wie es Sabaton und Battlelore sonst angehen.



metaltalks.de: Gab es Unterschiede zum letzten Album bezüglich der Aufnahmen?

Jens: Nein, eigentlich nicht. Wir sind die Sache etwas entspannter angegangen und haben uns eben mehr Zeit gelassen. Es ist das gleiche Line Up, die selben Leute haben Musik geschrieben, nur haben wir eben neue Songs geschrieben. Das ist der Unterschied. (lacht) Ich weiß nicht, selbst die Produktion wahr ähnlich. Vielleicht haben wir den Fokus mehr auf Power Metal gelegt, straighten Power Metal.

metaltalks.de: Habt ihr ebenfalls das gleiche Equipment verwendet? Helloween zum Beispiel, haben auf dem neunen Album, soweit es die Technik zuließ, etliche Parts analog umgesetzt.

Jens: Nein, das ist nicht die Art wie wir aufnehmen. Im Gegenteil, wir nutzen alle uns zur Verfügung stehenden digitalen Mittel. Wir tauschen Information sogar über DropBox aus. Das heißt, einer hat 'ne Idee, schickt sie per DB dem anderen, der steuert seinen Teil dazu bei und wenn Du am nächsten Tag die Mails abrufst, um dir das Ergebnis anzuhören, denkst Du bloß: "Fuck, was hat er mit dem Song getan?" (lacht) Es ist wirklich sehr unpersönlich, die Songs so zu bearbeiten, doch manchmal geht es einfach nicht anders und außerdem würden wir sonst 12 Monate für die Aufnahmen benötigen.

metaltalks.de: Ein anderes Thema! Stratovarius haben sich genau vor 30 Jahren gegründet. Ist es nicht an der Zeit für eine amtliche Jubiläumsausgabe?

Jens: Oh, dieses Thema ist in unserem Fall sehr schwer. Im Grunde ist kein Gründungsmitglied mehr in der Band. Es ist wie bei einer Fußballmannschaft, es gibt uns zwar noch, aber von denen, die 1989 das erste Album veröffentlichten, ist nicht einer mehr dabei. Eben so, wie bei einer Mannschaft, heute Meister, morgen noch präsent, aber völlig andere Leute. Wir spielen zwar alle noch den Ball, aber die Art ist völlig anders. Ich denke, nachdem das letzte Originalmitglied die Band verlassen hatte, ist der Sinn einer Jubiläumsausgabe etwas verloren gegangen. Es ist bestimmt sinnvoller, die ein oder andere Neuauflage mit entsprechendem Bonusmaterial zu veröffentlichen.

metaltalks.de: Jens, Du bist dafür bekannt, dass du nicht nur etliche Keyboarder im Melodic Metal beeinflusst hast, vielmehr nutzen noch heute einige Musiker insbesondere deine Programmierungen und Einstellung auf Synthesizern. Du bist also der Mann, den man nach seinem liebsten Instrument fragen sollte.

Jens: Hm, ich denke, ich arbeite zur Zeit wieder sehr gern mit der Rolandserie JV 1080/2080. Diese Serie hat wirklich super atmosphärische Sounds, lässt sich leicht bedienen und ist sehr variabel.

metaltalks.de: Oh, das ist eine Serie im Rack-Format. Welche Workstation nutz Du da?

Jens: Ebenfalls Roland.

metaltalks.de: Was ist Deiner Meinung nach der beste Synthesizer aller Zeiten?

Jens: Es ist kein Keyboard oder so, also kein physikalischer Synthesizer. Es handelt sich hierbei um die Software einer kleinen Firma aus Berlin, ja, die kommen tatsächlich aus Berlin und heißen U-he. Das ist wirklich echt starkes Engineering, was U-he dort abliefert.

metaltalks.de: Themawechsel - Weißt Du wie es derzeitig Timo Tolkki geht?

Jens: Ich kann es wirklich nicht genau sagen. Wir hatten sehr selten in den letzten Jahren Kontakt. Ich denke, er steht wieder im Leben, hat es aber aufgrund seiner Krankheit sehr schwer. Es geht ihm mal so und mal so, zumindest ist es mein Eindruck. Wir haben uns ab und zu Mails geschrieben, das letzte Mal vor 3 Monaten. Ich hoffe natürlich, dass er weiterhin recht gut damit klarkommt.

(Timo Tolkki erkrankte an Bipolar Disorder oder man spricht auch von Manischer Depression. 2004 wurde diese Krankheit bei Timo T. diagnostiziert. Die Band ist seinerzeit aufgrund der daraus resultierenden Probleme fast zu Grunde gegangen.  Timo Tolkki war das letzte verbliebene Urmitglied, spielte während seiner Zeit bei Stratovarius Gitarre, Bass und stand ebenfalls als Sänger hinter dem Mikrofon. ER gilt als außergewöhnlich guter Gitarrist, der u.a. zu den schnellsten seiner Zunft gehört - Anm. d. Red)

metaltalks.de: So, das war's von unserer Seite. Wir wünschen Euch viel Erfolg mit "Eternal" und sehen uns hoffentlich auf der anstehen Tour im November.  Schönes Schwitzen noch, hier im Gibson-Showroom.

Jens: Ja, danke gleichfalls und vielleicht sehen wir uns ja tatsächlich.

metaltalks.de: Während wir unseren Kram zusammen packten, setzte sich Jens an das in der Mitte des Raumes stehende Piano und klimperte eine lockere Melodie in die stickige Luft. Was für ein Ausklang! Gern wären wir noch etwas geblieben, aber die nächsten Journalisten trampelten bereits für der Tür. 

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